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Homo oeconomicus: Habgier ist geil! |
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Ein Text aus der Reihe "Kommentare zu Dingen, die mich nichts angehen: gesammelte Biestigkeiten" Hinnerk Rümenapf, © 2003-2008 | ||||||||||||||
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ACHTUNG! Es wird ohne Vorwarnung von Scherz,
Satire & Ironie Gebrauch gemacht!Der Homo oeconomicus (auch rationaler Nutzenmaximierer) wurde (und wird wohl noch immer) den Erstsemestern der Wirtschaftswissenschaft als das natürliche Wesen des Menschen präsentiert. So auch mir, als ich Mitte der 1990er Jahre nach Abschluss eines wissenschaftlich / technischen Studiums ein "Aufbaustudium Wirtschaftswissenschaft" begann. Der Homo oeconomicus soll stets "wirtschaftlich" handeln, und immer möglichst viel für möglichst wenig bekommen wollen. Daraus wird das Prinzip der Maximierung des Return on Investment hergeleitet: am liebsten nichts investieren, aber trotzdem das dicke Geld machen. Nur kurz und verschämt wird erwähnt, dass die Wirtschafts - "Wissenschaft" gar keine echte Wissenschaft ist. Was immer die da treiben, sie nennen es nur Wissenschaft - weil's besser klingt.
Von Anfang an unterstreichen die Dozenten auch durch ihr Verhalten die Bedeutung des Return on Investment. In den eher technischen Fächern waren ganz selbstverständlich Skripte erhältlich. Ein Dozent der Betriebswirtschaft hingegen hat sich standhaft geweigert seine Overheadfolien als Skript herauszugeben. Sollen die Studenten doch Bücher kaufen (auch seine) und lesen. In der Vorlesung ließ er keine Möglichkeit aus, einzelne Studenten vor versammelter Mannschaft zu demütigen und lächerlich zu machen. Auf Äußerungen, dass seine Overheadfolien zu viel Text enthielten (was eindeutig stimmte) und das nicht mitzuschreiben sei, entgegnete er "dann müssen Sie lernen schneller zu schreiben". Außerdem solle man sowieso zuhören, nicht schreiben, und gefälligst alle Bücher der (langen) Literaturliste lesen und durcharbeiten.
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Wer versucht hat alles mitzuschreiben, hatte tatsächlich keine Chance. Jeder, der auf die Idee kam die Texte erst zu lesen, konnte allerdings merken, dass die Folien hauptsächlich aus Wiederholungen und Füllwörtern bestanden. Man konnte noch während des Mitschreibens über die Hälfte des Textes weglassen, ohne das etwas verlorenging. Ich gewann dadurch sogar noch Zeit den Dozenten und die Mitstreiter zu beobachten. Ich weiss nicht was schlimmer war, die Arroganz des Dozenten, oder die Unterwürfigkeit der anderen.
Der Volkswirtschaftler kam als echter Homo oeconomicus und Nutzenmaximierer mit noch weniger "Investment" aus als der Betriebswirtschaftler. Seine Begründung, warum er kein Skript herausgab, war kurz: er hatte keins. Das hat er in seinen Vorlesungen auch glaubhaft vermittelt. Zunächst malte er zwei Linien an die Tafel (ohne jede Beschriftung) und nannte Sie "Koordinatensystem" (mit so unwichtigen Details wie "Einheiten" oder "Bezeichnungen" beschäftigen sich nur Techniker [igitt!], oder echte Wissenschaftler [pfui!]). Anschließend erzählte er viel von Verlaufskurven, die er gleich mit bunter Kreide an die Tafel malte, alle übereinander. Manchmal gab es eine (maximal dreibuchstabige) Abkürzung als Beschriftung, mehr nicht. Ein unbefangener Betrachter hätte es für abstrakte Kunst halten können. Ich gewann den Eindruck, er würde auch eine Relation zwischen dem Bruttoinlandsprodukt von Botswana und der mittleren Schuhgröße der Singalesen herstellen.
Was für billige rhetorische Tricks. Der eine versucht es mit Totschwafeln, der andere mit Informationsmangel. In den technisch / wissenschaftlichen Fächern wussten viele Dozenten nicht, wie sie ihre Inhalte vermitteln sollen. Die Wirtschafts - "Wissenschaftler" dagegen wussten nicht wie sie vermitteln sollen, dass sie Inhalte hätten. Wer wirklich Inhalte zu vermitteln hat, hat solch' billige Tricks nicht nötig. Tatsächlich ging es wohl eher darum, wie man andere einschüchtert bis sie tun was man will - wie idiotisch das auch immer sein mag. Ich beschloss, dass mir ein Diplom reicht, und stellte meine Studien der Wirtschafts - "Wissenschaft" ein - noch bevor ich mit den Dozenten aneinandergeriet. Ich habe mich allerdings immer wieder gefragt, ob die Grundthese vom Homo oeconomicus wirklich so allgemein gültig ist, wie behauptet wurde.
Sind wir wirklich alle rein Profitorientiert? Was würde wohl passieren, wenn auch "normale" Arbeitnehmer sich nach den Grundregeln der Wirtschafts - "Wissenschaft" richten? Sie Investieren Zeit, Arbeitskraft und oft auch einen Teil ihrer Gesundheit. Als Return erhalten sie monatliche Zahlungen. Es gibt zwei Möglichkeiten den Return on Investment zu maximieren. Zum Einen kann man versuchen mehr Geld zu bekommen (den Return vergrößern, Maximalprinzip). Das erscheint zwar nicht unmöglich, die Aussichten sind aber eher bescheiden.
Die andere Möglichkeit besteht in der Minimierung des Investments (Minimalprinzip). Wenn also zum Monatsende immer derselbe Betrag auf dem Konto landet, muss der wirtschaftlich handelnde Arbeitnehmer zusehen, dass er möglichst wenig dafür arbeitet. Im Sinn der Grundregeln der Wirtschaftswissenschaft darf er gar nicht mehr als unbedingt nötig dafür arbeiten. Die aus Wirtschaftswissenschaftlicher Sicht korrekt handelnden Arbeitnehmer werden leider immer noch als "Drückeberger" und "faule Säcke" beschimpft. Es wird Zeit mit dieser grandiosen Fehleinschätzung aufzuräumen! Nur diese Kollegen haben die Prinzipien unserer Wirtschaft wirklich verstanden, lassen sich nicht einschüchtern und leben als rationale Nutzenmaximierer die Leitsätze der Wirtschaftswissenschaft. Man sollte solche Kollegen achten, ehren und ihrem Beispiel nacheifern. Es sollten sich alle Arbeitnehmer wirtschaftlich orientieren und in diesem Sinn ihren persönlichen Return on Investment optimieren!
Komisch -
es gibt immer noch Kollegen, die unbezahlte Überstunden machen und sich fast bis zum Umfallen für "ihre" Firma engagieren. Vielleicht sind doch nicht alle Menschen Vertreter des Homo oeconomicus?Wenn wir nicht alle zur Gattung Homo oeconomicus gehören, wo könnten dann solche Wesen zu finden sein? Vielleicht in Vorstandsetagen, in Form von Managern, denen Return on Investment über alles geht. Beim Homo oeconomicus könnte es sich um die Sorte Wirtschafts - "Führer" handeln, für die Anstand, Moral und geltendes Recht nur noch lästige Hindernisse sind, wenn die Gewinnspanne groß genug ist. Solchen Menschen war es zum Beispiel egal, dass rauchen Lungenkrebs verursacht (was schon vor 1950 bekannt war), wo man doch mit dem "Duft der großen weiten Welt" Unsummen verdienen kann.
Der Homo oeconomicus: ein habgieriger Profiteur, der nie genug kriegen kann. Da hat wohl ein Wirtschafts - "Wissenschaftler" zu sehr von sich auf andere geschlossen.
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| Letzte Änderung: 11. Okt 2008 ©Hinnerk Rümenapf | made in Hast und Eile |