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Der Weihnachtsmann ist arbeitslos, eine Weihnachtsgeschichte |
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Ein Text aus der Reihe "Kommentare zu Dingen, die mich nichts angehen: gesammelte Biestigkeiten" Hinnerk Rümenapf © 2004 | ||||||||||||||
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ACHTUNG! Es wird ohne Vorwarnung von Scherz,
Satire & Ironie Gebrauch gemacht!Der Weihnachtsmann ist arbeitslos, er wird nicht mehr gebraucht. Gekündigt im November, sechs Wochen zum Quartal. Freigestellt mit sofortiger Wirkung, Resturlaub wird angerechnet. Genau am Stichtag war Verkündigung, darauf gleich Einzug der Schlüssel zum Rentierstall, und aller Dienstgegenstände. Die Wichtel der Weihnachtswache haben ihn dann vor's Tor geführt. Das Betreten des Weihnachtsdorfs ist seitdem für ihn verboten, es heißt jetzt "Firmengelände der Weihnachten & Co Kg". Nur noch ein aktives Weihnachtsfest, und er hätte Anspruch auf Betriebsrente gehabt.
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Ein dicker alter Mann sei nicht mehr Zeitgemäß, hieß es. Den Job machen jetzt vier junge Frauen in knappen Kleidchen. Als Saisonkräfte sind sie billiger. Der fliegende Schlitten wird verkauft, ans Militär, für Zielübungen, die Mädels sollen ein Cabrio fliegen. Mit den Herstellern wurde lange verhandelt, sie wollten nicht genug für die Werbung bezahlen. Was wohl aus den Rentieren wird? Streichelzoo oder Hundefutter?
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Warum wirft man dem Weihnachtsmann vor, dass es zu Weihnachten die höchste Selbstmordrate gibt? Was kann der Weihnachtsmann für die unzähligen Ehestreitigkeiten zu Weihnachten? Ist er Schuld am alljährlichen Geschenketerror und Konsumstress? Und dann wirft man ausgerechnet ihm den Umsatzrückgang im Weihnachtsgeschäft vor. Ein Kaufhauskonzern hat schon eigene Weihnachtsmänner ins Feld geführt, in Blau statt Rot, damit sie sich deutlich vom "Standard" abheben. Dummerweise hatte eine Handelskette dieselbe Idee. Vielleicht versuchen sie's im nächsten Jahr mit Lila und Grün.
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Jetzt muß er sich nicht mehr mit neurotischen Eltern und gelangweilten Kindern 'rumschlagen. Kein Geplärre mehr, weil das Computerspiel die falsche Gehäusefarbe hat, oder dem Handy das gewünschte Logo fehlt. Nie wieder soll er in zwei Minuten Ansprache mit der Rute in der Hand ein ganzes Jahr verpfuschte Erziehung ausgleichen. Nie wieder ein ganzes Jahr Vorbereitung für ein so kurzes Ereignis, nie wieder den Stress in einer einzigen Nacht weltweit Geschenke zu verteilen.
Er hat es immer geschafft, gegen alle Widrigkeiten. Trotz der Fehler anderer und manchmal auch der eigenen. Und wie knapp es manchmal war, dass dürfte er gar keinem erzählen.![]()
Was wohl die Kollegen machen? Das Christkind hat den Nebenjob in Nürnberg, von Knecht Ruprecht hat er lange nichts gehört - der war schon ein Weilchen auf Teilzeit. Hätte er vielleicht auch machen sollen, aber die Arbeit muss ja getan werden, auch wenn die Zahl der helfenden Elfen ständig reduziert wurde. Sich bei den (ex-) Kollegen melden, ja, dass hätte er schon mal machen können. Er hat das auch vor, immer noch.
Der Weihnachtsmann ist arbeitslos, er sitzt am Tresen neben mir. Die Kneipe macht gleich zu. Sein Kopf sinkt langsam auf die Brust. Ich stoße ihn an, er zahlt und geht zur Tür. Er will nicht auch noch hier 'rausfliegen. Langsam wankt er jetzt hinaus. Ein Stern ging auf - und wieder unter. Es ist Heiligabend.
| Letzte Änderung: 07. Mrz 2008 ©Hinnerk Rümenapf | made in Hast und Eile |